Kommt Ihr Hund nicht, obwohl Sie ihn dreimal gerufen haben, liegt der Gedanke an Sturheit nahe. Meist steckt etwas anderes dahinter: ein Signal, das nur an einem Ort gelernt wurde, eine stärkere Ablenkung oder ein Wort mit einer Nebenbedeutung.
Hunde lernen sehr genau – und sehr ortsgebunden. Ein „Sitz“, das in der Küche sicher klappt, ist für Ihren Hund auf der Wiese, im Park oder vor dem Bäcker noch lange nicht dasselbe Signal. Was für uns ein fertiges Kommando ist, ist für ihn oft erst an einem Ort verstanden. Üben Sie deshalb dasselbe Wort an vielen verschiedenen Orten, zuerst in ruhiger Umgebung, bevor Sie es dort erwarten, wo viel los ist.
Draußen konkurriert Ihr Signal mit allem, was riecht, raschelt und rennt. Ist die Spur des Hasen spannender als das, was nach dem Kommen passiert, entscheidet sich Ihr Hund nicht gegen Sie, sondern für das Stärkere. Die Frage ist dann nicht, wie Sie lauter werden, sondern wie sich das Kommen für ihn mehr lohnt: mit einer besonders guten Belohnung, einem kurzen Spiel oder der Erlaubnis, danach weiterzuschnüffeln.
Manchmal hat ein Wort auch eine Bedeutung gelernt, die niemand wollte. Folgt auf „Hier!“ zuverlässig die Leine, das Ende des Spiels oder das Bad, lernt Ihr Hund genau das – und kommt zögernder. Rufen Sie ihn deshalb auch zwischendurch, belohnen Sie ihn und lassen Sie ihn wieder laufen – so lernt er, dass Kommen sich lohnt und das Spiel danach weitergeht. Für Unangenehmes holen Sie ihn lieber ab, statt ihn mit seinem Rückrufwort zu sich zu rufen.
Hört Ihr Hund plötzlich schlechter als sonst, ohne erkennbaren Grund, lassen Sie ihn in der Tierarztpraxis ansehen. Schmerzen, ein nachlassendes Gehör oder schlechtere Augen können sich zuerst als „Nicht-Hören“ zeigen. Gerade bei älteren Hunden ist ein Signal, das nicht mehr ankommt, oft keine Frage des Wollens, sondern des Könnens – und dann helfen Geduld und ein deutliches Handzeichen mehr als jede Wiederholung.
Wie Sie Ihre Signale so klar machen, dass Ihr Hund nicht raten muss, lesen Sie in den anderen Hunde-Ratgebern.